Lehm statt Kunststoff für eine Stallscheune in Ernen
- Willy Jossen

- 17. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juli
Wer historische Gebäude saniert, steht oft vor der Herausforderung, traditionelle Bauweisen mit den Anforderungen der heutigen Zeit zu verbinden. Dass dabei nachhaltige Materialien und bewährtes Handwerk eine überzeugende Alternative zu modernen Standardlösungen sein können, zeigt das Beispiel des Stallumbaus von Madeleine Jaccard in Ernen.

Die in Bern wohnhafte Therapeutin hat sich vor einigen Jahren in das Goms verliebt und dort eine alte Stallscheune erworben. Nachdem Ende des vergangenen Jahres die Baubewilligung erteilt wurde, konnte sie mit der sorgfältigen Sanierung beginnen. Von Anfang an war für sie klar: Wo immer möglich sollen natürliche und nachhaltige Materialien zum Einsatz kommen. Auf der Suche nach einer Alternative zu einer herkömmlichen Dampfbremse aus Polypropylen stiess sie, nach vielen Recherchen und Diskussionen, unter anderem mit Arwed Junginger von AAB Jungheim Architektur, auf den Verein IG VETA/NOVA. Arwed Junginger war lange aktiv bei der IG-Lehm und brachte die Idee ein, dass die Leitungen "Aufputz" verlegt und so auf eine Installationsebene verzichtet werden könnte.

Im Austausch mit Willy Jossen, Vorstandsmitglied sowie Maler und Gipser HiD (Handwerk in der Denkmalpflege) fiel der Entscheid auf einen Lehm-Kalkgrundputz anstelle einer klassischen Winddichtigkeitsfolie. Diese traditionelle Bauweise verbindet bauphysikalische Vorteile mit einer hohen Materialverträglichkeit und passt ideal zu historischen Holzbauten.
Einen grossen Teil der Vorarbeiten übernahm Madeleine Jaccard nach Anleitung durch Willy Jossen selbst. Risse und Vertiefungen im Blockbau wurden mit Lehm-Kalkgrundputz ausgefüllt, Fensteranschlüsse mit Hanfband und Lehmkleister sorgfältig abgedichtet. Anschliessend wurden Schilfrohrmatten auf den Holzwänden befestigt – sie bilden die Grundlage für den späteren Putzaufbau. Was auf den ersten Blick einfach erscheint, verlangt viel Präzision und Geduld. Auch der zeitliche Aufwand ist gross. Die Vorarbeiten nehmen den grössten Teil der Arbeit in Anspruch.

Erst danach kommt die eigentliche Putzarbeit. Mit einer Mörtelpumpe wird der Lehm-Kalkgrundputz über einen Schlauch auf die Wände aufgespritzt und anschliessend rund 15 Millimeter stark in die Schilfrohrmatten eingearbeitet und geglättet. Besonders interessant ist auch eine Technik, auf die Madeleine Jaccard bei ihren Recherchen in Deutschland gestossen ist: Leinenbänder, die mit Lehmkleister angebracht werden, sorgen für dauerhaft dichte Anschlüsse bei Fenstern und Fugen – ganz ohne synthetische Materialien.

Das Projekt zeigt eindrücklich, dass historisches Handwerk und moderne Nachhaltigkeitsansprüche kein Widerspruch sind. Mit Wissen über traditionelle Materialien lassen sich langlebige und ökologisch sinnvolle Lösungen realisieren, die den Charakter historischer Gebäude bewahren.
Madeleine Jaccard ist seit Kurzem auch neues Mitglied in unserem Verein IG VETA/NOVA. Das freut uns sehr und wir heissen sie herzlich willkommen.
Haben auch Sie Fragen zur Sanierung eines historischen Gebäudes oder suchen Sie nach nachhaltigen Lösungen? Schreiben Sie uns an info@vetanova.ch.
Unser Vorstand setzt sich aus ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten mit verschiedenem beruflichen Hintergrund zusammen. Uns eint das gemeinsame Interesse an Baukultur, Handwerk und Erhalt der historischen Bauten.




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